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Gut zu wissen
12/05/2021
„Hilfe, mein Kind nässt noch ein!“ – Fünf Tipps für Eltern
Wenn Kinder älter werden und immer noch einnässen, kann das sowohl das Kind als auch die Eltern im Familienalltag stark belasten. Doch bis wann ist das Einnässen noch „völlig normal"? Und in welchen Fällen sollte man es lieber vom Arzt abklären lassen? Unsere Expertin Prof. Daniela Schultz-Lampel, Direktorin des Kontinenzzentrums Südwest am Schwarzwald-Baar Klinikum erklärt, worauf Eltern achten sollten und gibt wertvolle Tipps für den Alltag.
„Das Einnässen ist eine der häufigsten Erkrankungen im Kindesalter. Doch die Kinder müssen nicht unnötig darunter leiden, dagegen kann man etwas tun", weiß Prof. Daniela Schultz-Lampel. Zunächst einmal ist es wichtig zu unterscheiden, ob das Einnässen am Tag oder in der Nacht passiert. Wenn das Kind bis zum fünften Lebensjahr hin und wieder mal nachts ins Bett mache, sei das noch völlig im Rahmen. „Es handelt sich dabei meist um eine ‚Reifungsverzögerung': Nerven, Hormone oder die Blase selbst, welche die Urinausscheidung steuern, brauchen einfach noch mehr Zeit, um sich vollständig zu entwickeln. Um unnötigen Stress bei Eltern und Kind zu vermeiden, ist es total in Ordnung, dem Kind in der Nacht noch eine Windel anzuziehen", so die Urologin.

 

Wann ist ärztlicher Rat gefragt?
Anders sieht es aus, wenn das Kind tagsüber keine Kontrolle über das Wasserlassen hat. Dann sei es bereits ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr wichtig abzuklären, warum das Kind in die Hose macht, so die Medizinerin. Die Basisdiagnostik könne in jeder ärztlichen Praxis erfolgen, primäre Ansprechpartner seien zumeist die Kinder- und Jugendärzte. Für weitere fachärztliche Untersuchungen sind Urologen die richtige Adresse.

Zunächst einmal müsse man sich auf „Spurensuche" begeben und ganz zentrale Fragen klären, unter anderem: Nässt das Kind nur nachts oder auch tagsüber ein? Wie häufig kommt das vor? Wie viel und wie regelmäßig trinkt das Kind? Wie oft geht das Kind am Tag zur Toilette? Und wie klappt es mit dem Stuhlgang? Hinzu kommt eine körperliche Untersuchung. Im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung lässt sich feststellen, ob eine organische Störung vorliegt. Zudem wird der Urin unter die Lupe genommen.

Fünf Tipps für Eltern
„Eine urologische Erkrankung liegt aber nur selten vor. In den meisten Fällen handelt es sich um eine verhaltensbedingte Fehlsteuerung der Blase", erläutert Prof. Schultz-Lampel. Das Gute: Daran lässt sich arbeiten! Die folgenden Tipps können helfen, das Problem in den Griff zu bekommen.

 

  1. „7-Becher-Regel"
    Es ist sehr wichtig, dass das Kind genügend trinkt! Über den Tag verteilt und in regelmäßigen Abständen sollten sieben Becher mit jeweils der gleichen Menge an Flüssigkeit aufgenommen werden. Je nach Alter sind das pro Portion zwischen 150 und 250 Milliliter.

  2. Vor dem Schlafen das Trinken reduzieren
    Besonders, wenn das Kind in der Nacht einnässt, ist es sinnvoll, die letzte Flüssigkeitsportion zwei Stunden vor dem Zubettgehen zu trinken. ABER: Das ist nur umsetzbar, wenn zuvor tagsüber eine ausreichende Flüssigkeitsmenge getrunken wurde!

  3. Toilettentraining
    Neben dem regelmäßigen Trinken muss das Kind auch lernen, regelmäßig zur Toilette zu gehen: durchschnittlich sieben Mal am Tag – aber immer, wenn das Kind Harndrang verspürt, ebenso morgens und abends und vor längeren Ausfahrten. Darüber hinaus kann es auch helfen, die Blase zu trainieren, indem das Kind alle zwei bis vier Stunden zur Toilette geht, bevor es zum Urindrang kommt. Ein vorprogrammierter Wecker kann helfen und fördert das selbstständige „aufs Klo gehen".

  4. Trink- und Pipiprotokoll führen
    Ein „Pipi-Tagebuch" ist ein zentraler Bestandteil der ärztlichen Diagnostik und kann bereits zu Hause vorbereitet werden. Je genauer es geführt wird, desto mehr Hinweise auf Ursachen des Einnässens lassen sich ableiten. Zudem kann es helfen, während der Therapie beispielsweise eine Strichliste zu führen, um den Überblick zu bewahren.

  5. Geduld ist ganz wichtig!
    Wenn die genauen Ursachen für das Einnässen geklärt sind, kann die anschließende Therapie in einigen Fällen eine jahrelange Geduldsprobe werden. Kleine Erfolge sollten daher schon Motivation sein, weiterzumachen!

 

Veranstaltungshinweis:

+++ WORLD BEDWETTING DAY +++
Am 25. Mai ist der weltweite Tag des Bettnässens! Auch das Kontinenzzentrum des Schwarzwald-Baar Klinikums beteiligt sich an dem Aktionstag.

Sie sind verunsichert, weil Ihr Kind noch einnässt? Sie fragen sich, wie Sie Ihrem Kind helfen können oder haben ganz allgemeine Fragen zum Thema?
Dann zögern Sie nicht und rufen Sie unsere Experten am 25. Mai 2021 zwischen 13 und 15 Uhr unter der Telefonnummer 07721 93 3535 an oder schreiben Sie ganztägig eine E-Mail an bettnaessen@sbk-vs.de.

Wir beantworten Ihre Fragen gerne!

     
Prof. Daniela Schultz-Lampel
Direktorin
Kontinenzzentrum Südwest
   Dr. Brigitte Willer
   Oberärztin
   Kontinenzzentrum Südwest 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Unser Aktionstag zum „World Bedwetting Day"

Wann?
Dienstag, 25. Mai 2021
Wie?
Info-Telefon: 07721 / 93 3535 von 13-15 Uhr
Info-Mail: bettnaessen@sbk-vs.de von 0-24 Uhr

Hier geht's zur Veranstaltung

Weitere Informationen:
Weiterführende Informationen rund ums  „Einnässen im Kindesalter – Enuresis und kindliche Harninkontinenz" finden Sie auf unserer Homepage

 

Unsere Expertin:

Prof. Dr. med. Daniela Schultz-Lampel
Direktorin des Kontinenzzentrums Südwest
Fachärztin für Urologie

 

Kontakt:
Schwarzwald-Baar Klinikum
Kontinenzzentrum Südwest
Prof. Dr. med. Daniela Schultz-Lampel
Klinikstr. 11
78052 Villingen-Schwenningen

Terminvereinbarung über
Tel.: +49 7721 93-3590
E-Mail: termin.ksw@sbk-vs.de