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Gut zu wissen
21/07/2021
Zecken-Zeit: Das müssen Sie jetzt wissen (Teil 1)
Die kleinen Blutsauger haben es in sich: Zecken können nämlich das FSME-Virus und Borreliose-Bakterien auf den Menschen übertragen. In der Folge können Patienten an der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder an Borreliose erkranken. Was steckt eigentlich hinter diesen Krankheiten? Wie gefährlich sind sie? Und kann man sie überhaupt behandeln? Unser Experte Prof. Hubert Kimmig, Direktor der Klinik für Neurologie am Schwarzwald-Baar Klinikum, klärt auf.
„Im vergangenen Jahr haben wir in der Klinik für Neurologie etwa 25 Patienten mit Frühsommer-Meningoenzephalitis, also FSME, behandelt. Aktuell dominieren die Neuroborreliosen", berichtet Prof. Kimmig. „Zwar überträgt nicht jede Zecke Erreger und nicht jeder Mensch erkrankt, doch es kann schwere Verläufe mit bleibenden Schäden geben. Bei akuten Beschwerden sollten Patienten unbedingt zum Arzt gehen."

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Selten, aber gefährlich
FSME ist eine Virus-Erkrankung. Die Erkrankung läuft bei den meisten Patienten in zwei Phasen ab. „Die erste Phase kennzeichnet sich durch grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und dauert etwa eine Woche bis 10 Tage. Dann klingen die Beschwerden ab", erläutert der Chefarzt. Bei einem kleinen Teil der Infizierten tritt wenige Tage später die zweite Krankheitsphase ein. Es können Hirnhaut- und Gehirnentzündungen (Meningoenzephalitis) auftreten. Zusätzlich kann auch das Rückenmark betroffen sein. „Die Erkrankung äußert sich durch neurologische Ausfälle wie Sprachstörungen, Gedächtnisverlust und Verwirrtheit oder auch Lähmungserscheinungen", so der Neurologe. Gefährlich ist eine FSME-Infektion, weil es keine Behandlungsmöglichkeiten gibt. Es können lediglich die Symptome der Erkrankung behandelt werden. Umso wichtiger ist daher die FSME-Schutzimpfung. Prof. Kimmig empfiehlt: „Wer in einem FSME-Risikogebiet lebt, sollte sich impfen lassen. Um die Grundimmunisierung aufzubauen, sind drei Impfungen notwendig. Danach muss man den Schutz alle fünf Jahre auffrischen."

Borreliose: Mit Antibiotika gut behandelbar
Die Borreliose wird sehr viel häufiger durch Zecken übertragen als die FSME. Auslöser sind Bakterien, sogenannte Borrelien. „Es können Wochen vergehen, bevor erste Symptome einer Borreliose auftreten. Etwa 30 bis 40 Prozent unserer Patienten können sich gar nicht an einen Zeckenstich erinnern. Erst die Blutuntersuchung bringt oftmals Licht ins Dunkel", weiß der Mediziner. Die häufigste Borreliose-Erkrankung beim Menschen ist die Lyme-Borreliose. „Als erstes Krankheitszeichen entwickelt sich an der Einstichstelle typischerweise eine Hautrötung, bekannt auch als ‚Wanderröte', die sich ringförmig ausbreitet. Auch Fieber und Gelenkschmerzen können auftreten. Glücklicherweise lässt sich die Erkrankung mit Antibiotika wirksam behandeln", so Prof. Kimmig. In manchen Fällen befallen die Borrelien allerdings das Nervensystem und es entwickelt sich eine Neuroborreliose. „Typisch dafür sind sehr unangenehme, reißende Nervenschmerzen in Armen und Beinen. Außerdem kann eine Neuroborreliose zu Lähmungserscheinungen, neurologischen Ausfällen oder einer Hirnhautentzündung führen", so der Neurologe. Zwar ist auch die Neuroborreliose meist heilbar, in schweren Fällen jedoch können langfristige Schäden zurückbleiben. Prof. Kimmig rät: „Wichtig ist, dass die Zecke frühzeitig entfernt wird, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Erregerübertragung. In der Regel werden die Borrelien erst zwölf bis 24 Stunden nach dem Zeckenstich übertragen."

Wie kann man einem Zeckenstich erfolgreich vorbeugen? In Teil 2 dieses Artikels gibt unser Experte Prof. Kimmig wertvolle Tipps, wie Sie sich im Alltag schützen können. Lesen Sie weiter! Hier geht's zum Artikel.

Unser Experte:

Prof. Dr. med. Hubert Kimmig
Direktor
Klinik für Neurologie

Zur Fachabteilung:
Klinik für Neurologie

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Klinik für Neurologie
Prof. Dr. med. Hubert Kimmig
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