27.06.2018
Mitstreiterin für geplantes Notfall-Simulationszentrum gefunden

Kürzere und gezieltere Ausbildung für Notärzte und Notfallsanitäter: Das Schwarzwald-Baar Klinikum und die DRK Landesschule haben gemeinsam ein Konzept entwickelt, um die Ausbildung von Notärzten und Notfallsanitätern voranzutreiben. Die Idee: Ein Teil der Ausbildung könnte in einem Simulationszentrum abgeleistet werden. Ein gemeinsam geplantes Pilotprojekt in Kooperation mit der Hochschule Furtwangen, das im Juni 2018 an den Start gehen sollte, wurde allerdings vom Regierungspräsidium Karlsruhe kurzfristig nicht genehmigt. Unterstützung für ihr Konzept auf politischer Ebene erhoffen sich die Initiatoren nun von Martina Braun, Abgeordnete des Landtags Baden-Württemberg, Bündnis 90/Die Grünen.

„Das Schwarzwald-Baar Klinikum ist verpflichtet, ausreichend viele hoch qualifizierte Ärzte für die verschiedenen Rettungsdienststandorte in der Region vorzuhalten", erklärt Prof. Dr. med. Ulrich Fink, Ärztlicher Direktor des Klinikums. „Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Herausforderung. Wir müssen Ärzte dafür gewinnen. Einer der Engpässe dabei ist die Ausbildung des Notarzt-Nachwuchses." Bislang müssen Ärzte in der Notarztausbildung 50 Einsätze unter Anleitung eines verantwortlichen Notarztes vorweisen, meist dauert das etwa zwei Jahre lang. „Deshalb haben wir nach Möglichkeiten gesucht, die Ausbildung zu verkürzen und zu verbessern", so Prof. Fink.

Auch die DRK Landesschule erhofft sich von einem Simulationszentrum einen großen Nutzen im Hinblick auf die Ausbildung von Notfallsanitätern: Denn diese ist auf drei Lernorte untergliedert – Schule, Rettungswache und Klinik. „720 Stunden lernen die Schüler in einer Klinik, davon 280 Stunden in der Anästhesie und 40 Stunden in der Pädiatrie", erklärt Alfred Schulz, Geschäftsführer der DRK Landesschule Baden-Württemberg. „Aber es ist schwierig, die nötigen Ausbildungsstunden in den Fachbereichen Anästhesie und Pädiatrie abzuleisten, denn diese werden auch von anderen Ausbildungsberufen stark nachgefragt und entsprechend in Anspruch genommen. Die Kapazitäten sind begrenzt."

Gemeinsam mit der DRK Landesschule hat das Klinikum die Idee entwickelt, ein Simulationszentrum für medizinische Notfall-Trainings zu gründen. Dabei könnten mit Hilfe hochspezialisierter medizinischer Übungspuppen sehr realitätsnah verschiedene Notfallsituationen durchgespielt und richtiges Verhalten geübt werden. „Zunächst geht es um ein Pilotprojekt in Kooperation mit der Hochschule Furtwangen", erzählt Matthias Ziegler, Schulleiter der DRK Bildungseinrichtung Villingen-Schwenningen. „Wir hatten einen Testlauf geplant, um erste Erfahrungen in der simulationsgestützten Ausbildung von Notfallsanitätern zu sammeln." Kurz bevor es losgehen sollte, hat das Regierungspräsidium mitgeteilt, dass es für das Pilotprojekt keine Genehmigung gibt.

Nun erhoffen sich das Schwarzwald-Baar Klinikum und die DRK Landesschule Baden-Württemberg Unterstützung für ihr Vorhaben durch die Landtagsabgeordnete Martina Braun. „Die Notwendigkeit, sich hier im ländlichen Raum um die
Notfallversorgung und die entsprechenden Ausbildungsmöglichkeiten zu kümmern, leuchtet definitiv ein", erklärte Braun bei dem gemeinsamen Gespräch am 18. Juni 2018 im Klinikum. „Ich kenne die Angst der Menschen, dass die Rettungsfristen im Notfall nicht eingehalten werden könnten. Diese Sorgen muss man ernst nehmen. In mir haben Sie eine Mitstreiterin!"

Ein Simulationszentrum für die Notfallausbildung im Schwarzwald-Baar Kreis und die damit verbundene kürzere Ausbildungszeit könne wesentlich dazu beitragen, den Nachwuchs für dieses Aufgabengebiet zu begeistern, ist sich Dr. Bernhard Kumle, Direktor der Zentralen Notaufnahme am Schwarzwald-Baar Klinikum, sicher: „Und wir könnten die Qualität der Ausbildung weiter optimieren – egal, ob für Notärzte oder Notfallsanitäter. Im Gegensatz zu den Praxis-Einsätzen, bei denen beispielsweise das Spektrum der Notfälle nicht planbar ist, sind die Trainings im Simulationszentrum steuerbar: Unter anderem können seltene und schwerwiegende Fälle geübt und wiederholt werden – dazu zählen zum Beispiel Geburten oder schwerverletzte Kinder."

Das Schwarzwald-Baar Klinikum und die DRK Landesschule Baden-Württemberg werden sich weiter für die Einrichtung eines Simulationszentrums für die Notfallausbildung einsetzen.

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