Überfunktion der Nebenschilddrüse

Primärer Hyperparathyreoidismus (pHPT)

Prof. Dr. med. Stefan Beckert, FEBS
Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Facharzt für Viszeralchirurgie
Schwerpunkt Spezielle Viszeralchirurgie, Proktologie

Tel.: +49 7721 93-3301
Fax: +49 7721 93-93309
E-Mail: avc@sbk-vs.de

Erkrankungen der Nebenschilddrüsen stellen nach den Schilddrüsenerkrankungen die häufigsten Krankheitsbilder hormonbildender Organe dar. Dabei kommt es aufgrund einer Veränderung der Nebenschilddrüse zu einer vermehrten und unkontrollierten Ausschüttung des „Parathormons“ in den Blutkreislauf. Das übermäßig produzierte Hormon führt unter anderem zu einem Abbau von gesunder Knochensubstanz und zu einer krankhaften Erhöhung des Kalziumwertes im Blut (Hyperkalzämie). Medikamente können zwar kurzfristig die Kalziumwerte senken, zur dauerhaften Heilung ist jedoch die operative Entfernung der kranken Nebenschilddrüse erforderlich.

Krankheitsbild

Die meisten Menschen besitzen vier Nebenschilddrüsen, die neben oder hinter der Schilddrüse liegen. Diese linsengroßen Strukturen sind wichtig zur Aufrechterhaltung eines konstanten Kalziumspiegels im Blut. Ist dieser zu niedrig, geben die Nebenschilddrüsen ein Hormon, das sogenannte Parathormon (PTH) ins Blut ab. Dadurch wird vermehrt Kalzium aus der Nahrung über den Darm aufgenommen und die Freisetzung von Kalzium aus den Knochen gesteigert. Zusätzlich wird in der Niere vermehrt Kalzium aus dem Urin zurückgewonnen. In der Folge steigt der Kalziumgehalt zurück in den Normbereich – das Gleichgewicht ist wieder hergestellt.

Bei einer primären Überfunktion der Nebenschilddrüsen, dem sogenannten primären Hyperparathyreoidismus (pHPT) liegt in den allermeisten Fällen eine gutartige tumoröse Veränderung einer einzigen Nebenschilddrüse vor (Nebenschilddrüsenadenom). Seltener ist eine Veränderung von zwei oder mehreren Nebenschilddrüsen (Mehrdrüsenerkrankung). Ein Hyperparathyreoidismus aufgrund eines bösartigen Tumors ist ausgesprochen selten (unter 1 Prozent).

In allen Fällen sorgt die erhöhte Ausschüttung des Parathormons zu gesteigerten Knochenabbau mit Rücken- und Gelenkschmerzen und schließlich zu spontanen Knochenbrüchen. Der permanent erhöhte Kalziumwert im Blut schädigt die Organe, so dass beispielsweise das Risiko eines Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs dramatisch ansteigt. Appetitlosigkeit, Übelkeit und Gewichtsabnahme und allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit oder Kraftlosigkeit stellen sich bei einer Überfunktion der Nebenschilddrüse ein. Die Beschwerden sind meistens reversibel, das heißt nach der operativen Entfernung des krankhaften Nebenschilddrüsenkörperchens bilden sie sich vollständig zurück. Kam es bereits zu Schäden an anderen Organen, so sind diese leider oft dauerhaft beeinträchtigt. Aus diesem Grund sind eine Erkennung der Erkrankung und die rasche Einleitung einer Therapie essentiell.

Diagnose und Therapie

Meist wird ein primärer Hyperparathyreoidismus zufällig im Rahmen einer Blutuntersuchung durch einen erhöhten Kalziumwert im Blut festgestellt. Liegt dieser bei wiederholten Blutentnahmen immer oberhalb der Norm, so muss die Konzentration des Parathormons selbst im Blut bestimmt werden. Erhöhte Kalziumwerte in Kombination mit einer erhöhten Parathormon-Konzentration sind beweisend für den primären Hyperparathyreoidismus.

Auch wenn es Medikamente gibt, die den Kalziumspiegel kurzfristig senken können, ist eine definitive Therapie (= Heilung) ist nur durch Behebung der Ursache möglich, also durch eine operative Entfernung des Nebenschilddrüsenadenoms.

Für den Therapieerfolg ist eine Ultraschalluntersuchung durch einen erfahrenen Arzt entscheidend. Hierbei kann meist die krankhaft vergrößerte Nebenschilddrüse identifiziert werden. Stellt sich diese in einer Nebenschilddrüsenszintigraphie ebenfalls auffällig dar, so kann die Operation minimalinvasiv über einen nur 1,5 cm kurzen Schnitt erfolgen. Der Therapieerfolg wird bereits intraoperativ durch eine Normalisierung des Parathormons im Blut dokumentiert.

Stellen sich im Ultraschall mehrere Nebenschilddrüsen auffällig vergrößert dar, oder zeigen sich in der Szintigraphie mehrere Nebenschilddrüsen mit einer Überfunktion, so werden über einen queren Schnitt am Hals, ähnlich wie bei einer Entfernung der Schilddrüse, alle Nebenschilddrüsen dargestellt und sämtliche krankhaft veränderten Drüsen entfernt.

Kontakt

Schwarzwald-Baar Klinikum
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Prof. Dr. med.
Stefan Beckert, FEBS
Klinikstraße 11
78052 Villingen-Schwenningen

Sekretariat
Tel.: +49 7721 93-3301
Fax: +49 7721 93-93309
E-Mail: avc@sbk-vs.de

Gerne beraten wir Sie ausführlich in unserer endokrinologischen Sprechstunde.

 

Spezialsprechstunde für Schilddrüse
Dienstag:
09.00 - 11.30 Uhr
bzw. nach telefonischer Terminabsprache

Terminvereinbarung über
Tel.: +49 7721 93-3302
Fax: +49 7721 93-3399
E-Mail: avc@sbk-vs.de