Periphere arterielle Verschlusskrankheit

im Volksmund auch bekannt als „Schaufensterkrankheit“

Dr. med. Stephan Eder
Direktor der Klinik
Facharzt für Chirurgie, Gefäßchirurgie, Phlebologie
Endovaskulärer Chirurg DGG, Vascular Surgeon EBSQ

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Die Wahrscheinlichkeit, eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) zu bekommen, steigt mit dem Alter. Ab einem Alter von 65 Jahren leidet etwa jeder fünfte Mensch an leichten bis schweren Durchblutungsstörungen. Verursacht werden sie durch Kalkablagerungen, die Engstellen oder Verschlüsse in den Schlagadern gebildet haben. Risikofaktoren sind Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus und erhöhte Blutfette. Unabhängig von der Schwere der Erkrankung sollten die Betroffenen ein Medikament zur Blutverdünnung einnehmen, einen sogenannten Thrombozytenaggregationshemmer (meist ASS 100).

Krankheitsbild

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit betrifft vor allem ältere Menschen. Aber auch jüngere Menschen (ab etwa 45 Jahren) können als Folge jahrelangen Rauchens und anderer Risikofaktoren (Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette) ausgeprägte Durchblutungsstörungen entwickeln. Diese machen sich vor allem in den Beinen bemerkbar. Zuerst zeigt sich eine Einschränkung bei längerem Laufen: Die Muskulatur bekommt nicht mehr genügend Blut, Schmerzen treten auf. Zumeist sind sie in der Wade lokalisiert, sie können aber auch am Oberschenkel oder im Gesäß beginnen.

Bei fortschreitender Erkrankung kann der Betroffene nur noch immer kürzer werdende Strecken laufen. Im fortgeschrittenen Stadium schließlich schmerzen die Beine auch in Ruhe. Im letzten Stadium der Erkrankung können die Durchblutungsstörungen so schwerwiegend sein, dass offene Wunden nicht mehr heilen oder Zehen absterben. Manchmal fällt eine periphere arterielle Verschlusskrankheit erst durch eine solche nicht heilende Wunde auf. Dies passiert häufiger bei Diabetikern, denn ihr Gefühl in den Beinen ist  oftmals eingeschränkt.

Diagnose

Die einfachste Art herauszubekommen, ob ein Mensch Durchblutungsstörungen hat, ist das Tasten der Pulse am Fuß. Wie am Handgelenk kann man bei gefäßgesunden Menschen die Pulse dort an zwei Stellen tasten: auf dem Fußrücken und hinter dem Innenknöchel. Bei Verdacht auf eine periphere arterielle Verschlusskrankheit wird zunächst die Blutdruckdifferenz zwischen Armen und Beinen gemessen. Normalerweise sollte der Blutdruck am Fuß etwas höher als am Arm sein. Liegen Verkalkungen der Beinschlagadern vor, so fließt weniger Blut durch die Adern und der Druck verringert sich. Sind keine Pulse am Fuß tastbar und die gemessenen Blutdruckwerte am Fuß niedrig, werden weitere Untersuchungen veranlasst.

Zunächst gibt eine Ultraschalluntersuchung der Schlagadern einen guten Überblick über eventuell betroffene Blutgefäße. Weitere Hinweise liefert eine Gefäßdarstellung im Kernspin (Magnet-Resonanz-Angiographie). Dafür wird über eine Armvene ein Kontrastmittel gespritzt, das sich in den Adern im Körper verteilt. Ohne Röntgenstrahlen können so Schichtaufnahmen des Körpers gemacht und in den vom Computer berechneten Bildern Engstellen oder Verschlüsse der Schlagadern gesehen werden. Diese Untersuchung ist in der Regel ambulant möglich. Einige Tage später findet in unserer Sprechstunde die Besprechung der Aufnahmen statt und die erforderlichen Maßnahmen werden festgelegt.

Eine weitere Möglichkeit der Gefäßdarstellung ist die Katheter-Angiographie: Sie verwendet Röntgenstrahlen zur Diagnostik. Hierbei wird die Schlagader in der Leiste mit einer Kanüle punktiert und anschließend über diese Kanüle Kontrastmittel gespritzt. Bei dieser Untersuchung können genauere Bilder gemacht werden. Sie eignet sich für Menschen, bei denen die kleineren Blutgefäße am Unterschenkel oder Fuß betroffen sind. Das ist vor allem bei Patienten mit Diabetes mellitus der Fall.

Therapie

Die Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit sollte möglichst frühzeitig beginnen, um das Fortschreiten zu verhindern oder hinauszuzögern. Zunächst steht die konservative Therapie im Vordergrund. Wichtig ist die Behandlung der Risikofaktoren durch den Hausarzt. Das Rauchen sollte eingestellt werden. Erkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus müssen optimal eingestellt sein, erhöhte Blutfette müssen gegebenenfalls mittels Einnahme von Medikamenten gesenkt werden.

Neben der medikamentösen Therapie ist vor allem Bewegung (Gehtraining) wichtig, denn die Schlagadern können trainiert werden. Weil sich dabei neue Umleitungsgefäße (Kollateralgefäße) bilden, wird es dem Patienten oft wieder möglich, auch längere Strecken zu gehen. Oder zumindest kann eine Verschlechterung der Gehfähigkeit gestoppt werden. 

Wenn Engstellen in den Schlagadern vorliegen, können diese in unserer Röntgenabteilung mit einem Ballonkatheter aufgedehnt und, falls erforderlich, mit einem Stent (Gefäßstütze) geschient werden. Dies kann im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes (zwei Tage) vorgenommen werden. Die Vorbereitungen werden ambulant durchgeführt, so dass die Patienten erst am Tag der Behandlung ins Krankenhaus kommen müssen. Nach der Behandlung wird für 24 Stunden ein Druckverband angelegt, der Patient muss noch einige Zeit liegen. Sobald der Druckverband entfernt ist, darf er aufstehen und noch am selben Tag wieder nach Hause gehen.

Bei schwerwiegenden Durchblutungsstörungen (Ruheschmerzen, Einschränkung der Gehstrecke auf wenige Meter, nicht heilende Wunden) muss oftmals ein Bypass angelegt werden. Hierbei wird der verschlossene Anteil der Schlagader durch eine Umgehung ersetzt, durch die das Blut wieder ins Bein fließen kann. Der Bypass wird am besten mit köpereigener Vene hergestellt. Ist das nicht möglich, wird ein Bypass aus Kunststoffmaterial eingepflanzt. Im Anschluss an die Operation bleibt der Patient für mindestens eine Nacht auf der Intensivstation, in manchen Fällen ist eine längere Überwachung erforderlich. Je nach Befund dauert der stationäre Aufenthalt  etwa 10 Tage. Die Dauer der Zeit im Krankenhaus hängt auch davon ab, ob Vorerkrankungen vorliegen oder ob eine Beinwunde weiter behandelt werden muss.

Je nachdem, welche Form des Bypasses eingepflanzt wurde, wird anschließend eine dauerhafte medikamentöse Blutverdünnung notwendig sein. Sie verringert das Risiko, dass der Bypass sich wieder verschließt. Im Anschluss an den stationären Aufenthalt kann eine rehabilitative Maßnahme durch unseren Sozialdienst beantragt werden. Später sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Hausarzt wichtig, um bei Fortschreiten der Erkrankung gegebenenfalls rasch handeln zu können.

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