Lungenmetastasen (Tochtergeschwülste in der Lunge)

Bei fast allen Tumorarten können sie entstehen

Prof. Dr. med. Christian Stremmel
Direktor des Lungenzentrums
Leiter der Thoraxchirurgie
Facharzt für Allgemeinchirurgie und Thoraxchirurgie
Schwerpunkt: Thoraxchirurgie

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Fax: +49 771 88-5990
E-Mail: christian.stremmel@sbk-vs.de

Bei Lungenmetastasen handelt es sich um Tochtergeschwülste eines bösartigen Tumors in einem anderen Organ (Primarius). In der Mehrzahl der Fälle sind sie ein Hinweis auf eine Streuung des Tumors im ganzen Körper. Deshalb wird in der Regel von einer systemischen – das heißt einer den ganzen Körper betreffenden – Erkrankung gesprochen. Lungenmetastasen können gleichzeitig mit dem Tumor auftreten (synchron) oder auch zeitversetzt erst nach Monaten und Jahren (metachron).

Krankheitsbild

Bei fast allen Primärtumoren können Lungenmetastasen entstehen. Am häufigsten kommt es dazu bei Weichteilsarkomen, Osteosarkomen, Melanomen, Hodentumoren, Dickdarmtumoren, Lungenkarzinomen und Nierenzellkarzinomen. Auch bei anderen Tumorarten, etwa Mammakarzinom, Ovarialkarzinom, Pankreaskarzinom oder Magenkarzinom, können sie auftreten.

Zumeist verursachen Lungenmetastasen keine klinischen Beschwerden, auch  bei Thoraxschmerzen besteht in der Regel kein Zusammenhang mit ihnen. Größere Untersuchungen haben gezeigt, dass 85 bis 95 Prozent der Patienten beschwerdefrei sind. Lungenmetastasen fallen deswegen entweder zufällig im Rahmen von Tumornachsorgen auf. Oder es zeigen sich auf konventionellen Röntgen-Thorax-Aufnahmen neu aufgetretene Lungenrundherde, die dann zur weiteren Abklärung führen.

Diagnose und Therapie

Um Lungenmetastasen zu diagnostizieren, greift man auf die bildgebenden Verfahren der Computertomografie (Thorax-CT) oder der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zurück. Für die Therapieplanung sind die Anzahl und Lokalisation der Lungenmetastasen und vor allem der Tumortyp des Primärtumors entscheidend.

Da es sich bei einer Lungenmetastasierung generell um eine systemische Erkrankung handelt, steht hier zunächst eine systemische Therapie im Vordergrund. Diese kann, je nach Art des Primärtumors, entweder eine Chemotherapie, eine Hormontherapie oder eine Antikörpertherapie beziehungsweise Immuntherapie sein.

Eine Operation ist – sofern die Metastasierung weiterer Organe ausgeschlossen werden kann – bei isolierten Lungenmetastasen (weniger als drei Herde) empfehlenswert. Mit ihr liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit im Langzeitverlauf, je nach Primärtumor, bei mehr als 40 bis 50 Prozent.

Für die Resektion der Lungenmetastasen stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Wichtig ist dabei, dass die Metastasen im Gesunden entfernt werden können. Meist werden diese Operationen mit einem offenen Eingriff vorgenommen, Minimal-invasive Operationen sind nur bei isolierten Metastasen in der Lungenperipherie sinnvoll. Der Krankenhausaufenthalt  nach der Operation dauert in der Regel zwischen acht und zehn Tagen.

Entscheidend wichtig ist die weitere Tumornachsorge nach der Operation. Mit ihr kann das Auftreten von neuen Herden in oder außerhalb der Lunge rechtzeitig festgestellt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass kein neuer Tumor auftritt, ist am größten, wenn die Lungenmetastasen erst Jahre nach Behandlung des Primärtumors entstanden sind. Auch bei einem Hodenkarzinom oder Kolorektalkarzinom treten in der Folge seltener Lungenmetastasen auf.

Bei Patienten mit Weichtseil- oder Osteosarkom wird die Lungenmetastasenresektion nach Abschluss einer Chemotherapie vorgenommen.

In ausgewählten Situationen kann bei Patienten mit einzelnen und/oder wenigen Lungenmetastasen mit identischer Zielsetzung alternativ zur Operation eine stereotaktische Radiotherapie sinnvoll sein. Diese Therapie erfolgt ambulant. Weitere Informationen dazu gibt es im CyberKnife Centrum Süd.

Kontakt

Schwarzwald-Baar Klinikum
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