Chronisches Blasenschmerz- und Harndrangsyndrom / Interstitielle Zystitis

Für Patientinnen und Patienten eine große Belastung

Prof. Dr. med. Daniela Schultz-Lampel
Direktorin der Klinik
Fachärztin für Urologie

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Chronische Blasenschmerz- und Harndrangsyndrome sowie die interstitielle Zystitis (IC, chronische, abakterielle Blasenentzündung) sind mit ihren quälenden Schmerzen in der Harnröhre und in der Blase sowie den sehr häufigen Toilettengängen tags und nachts eine maximale Belastung für die Betroffenen. Oft haben die Patienten bereits eine Odyssee hinter sich und sich schon bei einer Vielzahl von Ärzten vorgestellt, ohne dass man ihnen nachhaltig helfen konnte.

Krankheitsbild

Chronische Schmerz- und Drangsyndrome sowie die IC können grundsätzlich bei Männern und Frauen jeden Alters auftreten. Frauen sind jedoch häufiger betroffen. Die Symptome können sehr vielfältig sein. Typisch ist ein unerträglich starker Harndrang, der zu häufigem Wasserlassen am Tag und in der Nacht zwingt. Bis zu 60 Mal, davon 20 Mal nachts, müssen die Betroffenen zur Toilette, so dass keine erholsame Nachtruhe möglich ist. Ein Urinverlust tritt in der Regel nicht auf. Vielmehr kommt es bei zunehmender Blasenfüllung zu bohrenden oder schneidenden Schmerzen im gesamten Unterleib. Häufig leiden die Patienten zusätzlich an Magen- und Darmbeschwerden, Muskel- und Gelenkschmerzen, Fibromyalgie, Allergien oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Der chronische Blasenschmerz ist kein homogenes Krankheitsbild, sondern kann unterschiedliche Ursachen haben. Die häufigsten sind chronische Harnwegsinfektionen, Infektionen der inneren Geschlechtsorgane, Verwachsungen im Unterleib als Folge einer OP, eine Chlamydieninfektion der Scheide, muskuläre Verspannungen im gesamten Beckenbodenbereich oder die sogenannte interstitielle Zystitis. Oft finden sich Defekte in der schützenden Blasenschleimhaut, so dass der Urin die Blase reizt. Auch psychogene Faktoren – sexuelle Probleme, Partnerschaftsprobleme oder traumatische Erlebnisse wie sexueller Missbrauch –  können zugrunde liegen. Zusammenhänge bestehen auch mit rheumatischen, allergischen oder Autoimmun-Krankheiten.

Diagnose und Therapie

Vor einer Behandlung muss nach möglichen Ursachen geforscht werden, die dann gezielt angegangen werden können. Neben ausführlichen Beratungsgesprächen und allgemeinen körperlichen Untersuchungen werden oft spezielle Untersuchungen wie Blasendruckmessung, Blasenspiegelung (ohne und mit Narkose), Blasendehnung oder zusätzlicher Gewebeprobeentnahme nötig.

Ziele der Therapie sind eine Verringerung der Schmerzen oder eine bessere psychische Verarbeitung der Beschwerden, sowie eine Reduktion der Toilettengänge, insbesondere in der Nacht. Da die meisten Patienten bereits eine Vielzahl von Behandlungsverfahren erhalten haben, lässt sich kein Standardtherapieschema aufstellen. Vielmehr muss nach der  Aufnahmeuntersuchung, dem eingehendem Gespräch mit dem Patienten und der Durchsicht vorliegender Vorbehandlungsberichte ein individueller Plan entwickelt werden. Der Erfolg der beschlossenen Maßnahmen wird in regelmäßigen Abständen überprüft, bei Bedarf eine Anpassung vorgenommen.

Neben einer oft sehr langwierigen medikamentösen Therapie (krampflösende Medikamente, Schmerzmittel, Pentosanpolysulfat, Antidepressiva) haben sich Spülbehandlungen der Blase mit speziellen, die Blasenschleimhaut regenerierenden Substanzen wie Hyaluronsäure und Chondroitinsulfat oder Pentosanpolysulfat (solche Präparate sind Thelosan, Gepan, Uropol, Cystistat oder Cysturon) bewährt. Allerdings ist die Therapie langwierig und die Spülungen müssen regelmäßig über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden.

Eine viel versprechende Therapie ist die EMDA-Therapie (Electro Motive Drug Administration). Dabei wird eine örtliche Betäubung (Lidocain) zusammen mit Cortison über einen Spezialkatheter in die Blase gespült. Durch die Zugabe von schwachem Strom wird erreicht, dass die Wirkstoffe in die tiefen Schichten der Blasenwand eindringen und nachhaltig wirken können. Eine Kombination mit einer Blasendehnung oder zusätzlichen, Blasenschleimhaut regenerierenden Medikamenten ist möglich. Auch der Erfolg dieser Therapie setzt oft eine jahrelange, regelmäßige Behandlung voraus.

In Einzelfällen können durch die Injektion von Botulinum-A-Toxin (Botox) in die Blasenmuskulatur der Schmerz und der starke Drang gelindert werden.

 

  


Als ergänzende Maßnahmen bieten sich an: Ernährungsumstellung, Reizstrombehandlung des Beckenbodens, natürliche Kohlensäurebäder, Wechselduschen, Massagen, Fangopackungen von Schulter-, Nacken-LWS- und Harnblasenregion, Wassertreten, Biofeedback des Beckenbodens, Beckenbodengymnastik, Fußreflexzonenmassage, Rückenschule, Wirbelsäulengymnastik, Muskelrelaxation nach Jacobson, psychologische Einzelgespräche.

Bei therapieresistenten Fällen ist eine Ausschaltung oder Entfernung der Blase mit einer Harnableitung (Ileum Conduit, Ersatzblase oder katheterisierbarem Nabelstoma) der einzige Weg, um für die betroffenen Patienten Schmerz- und Beschwerdefreiheit zu erreichen.

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