Harnbelastungsinkontinenz

Ein intimes und sehr unangenehmes Problem bei Frauen

Prof. Dr. med. Daniela Schultz-Lampel
Direktorin der Klinik
Fachärztin für Urologie

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Die häufigste Ursache für einen unwillkürlichen Harnverlust (Harninkontinenz) bei Frauen ist eine Beckenbodenschwäche. In der Medizin wird diese Form der Inkontinenz als Harnbelastungsinkontinenz bezeichnet. Für die Therapie ist es sehr wichtig, diese klar zu erkennen, also von anderen möglichen Formen abzugrenzen. Grundsätzlich gilt: Aktives Beckenbodentraining ist die beste Prophylaxe und Grundlage der Therapie.

Krankheitsbild

Typisches Symptom ist der Harnverlust bei körperlicher Anstrengung wie Husten, Niesen, Lachen, Laufen oder auch beim Aufstehen, zum Beispiel aus einer liegenden Position heraus. Zugrunde liegt eine Harnspeicherstörung als Folge einer Beckenboden- / Schließmuskelschwäche. Risikofaktoren für das Entstehen einer Harnbelastungsinkontinenz sind Schwangerschaften, Geburten, mögliche Geburtskomplikationen (wie zum Beispiel Zangengeburt), die Wechseljahre oder eine Gebärmutterentfernung, aber auch Übergewicht, Rauchen, chronischer Husten und schwere körperliche Arbeit.

Diagnose und Therapie

Es ist nicht immer ganz einfach, eine Harnbelastungs- von einer Harndranginkontinenz zu unterscheiden. Daher muss immer erst einmal eine genaue Anamnese erhoben werden. Darauf folgen eine Ganzkörper-, eine Urin- und eine Ultraschalluntersuchung. Besonders bei Mischformen (es liegt sowohl eine Harndrang- als auch eine Harnbelastungsinkontinenz vor) empfehlen sich auch die Urodynamik (Blasen- und Harnröhrendruckmessung) und die Blasenspiegelung.

Grundlage der Therapie ist ein aktives Beckenbodentraining. Es dient auch der Prophylaxe, damit sich aus der Beckenbodenschwäche erst gar nicht eine schwere Harninkontinenz entwickeln kann. Erfolgreich ist das Training nur, wenn korrekt und regelmäßig geübt wird. Professionelle Anleitung, am besten durch eine/-n Krankengymnasten/-in, ist daher Voraussetzung.

Das Training besteht aus Wahrnehmungsübungen und einem gezielten Krafttraining der Beckenbodenmuskeln. Die so erlernte Muskelanspannung muss dann in die entscheidenden Situationen des Alltags – beim Husten, Niesen, Heben oder Sport – integriert werden. Technische Hilfsmittel, zum Beispiel Kombinationsgeräte Biofeedback- und Elektrostimulation, eignen sich hervorragend, um das Gefühl für den Beckenboden zu schulen. Beim Biofeedback-Verfahren wird die Beckenbodenanspannung mit Hilfe von zum Beispiel visuellen Signalen bewusst gemacht. Das hilft der Patientin zu erkennen, dass sie korrekt anspannt.

Seit einiger Zeit gibt es auch den „Magnetstuhl“ (Extracorporal magnetic innervation): Die Patientin sitzt bekleidet darauf, in den Stuhl ist ein Magnetkopf eingebaut, der Impulse erzeugt und fokussiert. Diese dringen etwa acht Zentimeter tief in den Beckenboden ein und bringen die Muskulatur dazu, abwechselnd zu kontrahieren und entspannen. Die Kosten für diese Therapie werden von der Krankenkasse noch nicht übernommen.

Neu ist eine Therapie mit dem Vibrationstrainer Galileo 2000. Dabei handelt es sich um eine bewegliche Plattform, die mit einer variablen Frequenz von fünf bis 30 Herz schwingt. Steht die Patientin darauf, kommt es zu schnellen Muskelanspannungen auch der Beckenbodenmuskulatur, die sich als Vibrationen im gesamten Körper äußern. In Verbindung mit einer aktiven Physiotherapie kann sich durch diese Behandlung die Belastungsinkontinenz deutlich verbessern.

Neben der Beckenbodengymnastik gibt es auch die Möglichkeit einer medikamentösen Therapie (Duloxetin = Yentreve). Studien haben bei 50 Prozent der behandelten Frauen eine deutliche Besserung gezeigt. Zu beachten sind jedoch mögliche unerwünschte Nebenwirkungen wie Verstopfung, Übelkeit, Schwindel und Müdigkeit, die manchmal einen Therapieabbruch nötig machen.

Bleiben alle konservativen Therapien erfolglos, hilft nur eine Operation. Dabei sind verschiedene Verfahren möglich. Am häufigsten wird ein spannungsfreies Band (TVT oder TVT-O) unter die Harnröhre gelegt, um ein Widerlager gegen den Urinverlust bei körperlicher Anstrengung zu schaffen. Dies ist ein kleiner, nicht belastender Eingriff. Doch ob er sich für die Patientin eignet, muss individuell geprüft und entschieden werden.

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