Harnblasentumore

Der muskelinvasive Tumor und die operative Entfernung der Harnblase (radikale Zystektomie)

Prof. Dr. med. Alexander Lampel
Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie
Facharzt für Urologie
Schwerpunkt: medikamentöse Tumortherapie, Andrologie

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Von einem muskelinvasiven Blasentumor spricht man, wenn das Tumorwachstum die Muskelschicht der Harnblasenwand erreicht hat. Kann in diesem Fall eine Absiedelung von Metastasen ausgeschlossen werden, ist eine kurative Therapie möglich: Das befallene Organ wird operativ entfernt und eine alternative Form der Harnableitung gewählt. Wir bieten unseren Patienten für die jeweilige gesundheitliche Verfassung und die Lebenssituation individuell angepasste Konzepte der Harnableitung an.

Krankheitsbild

Der bösartige Tumor der Harnblase ist der fünfthäufigste Tumor bei Menschen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Das Verhältnis beträgt ca. 3,8:1. In den meisten Fällen bildet sich der Tumor in der Blasenschleimhaut. Wichtigster Risikofaktor ist das Rauchen. Aber auch die Exposition an bestimmte Chemikalien spielt eine Rolle. Vermehrter Harndrang und Brennen beim Wasserlassen können Anzeichen der Erkrankung sein. Das wichtigste Symptom ist die schmerzlose Hämaturie: Im Urin befindet sich Blut. Meist ist es dieses Symptom, das die Betroffenen in urologische Behandlung führt.

Diagnose und Therapie

Bei Verdacht auf ein Harnblasentumor wird eine Probenentnahme aus der Harnblase vorgenommen: Die sogenannte TUR-B (= Transurethrale Elektroresektion der Blase) erlaubt auch die für die Therapie des bösartigen Blasentumors notwendige Unterscheidung in nicht-muskelinvasive und muskelinvasive Tumoren zu treffen.

Der Eingriff beim nicht metastasierten, muskelinvasiven Harnblasentumor besteht aus zwei grundsätzlichen Schritten. Der erste ist die operative Entfernung der Harnblase. Beim Mann werden dabei Prostata und Samenbläschen mitentfernt. Bei Patientinnen werden vorsichtshalber auch die Gebärmutter, die Eierstöcke und teilweise auch ein Stück der Vagina entfernt.

Im zweiten Teil des Eingriffs wird ein neues Harnableitendes System gebildet. Hierbei sind  verschiedene Konzepte möglich:
Bei der Anlage von Harnleiterhautfisteln werden die Harnleiter der beiden Nieren direkt in die Bauchdecke, in ein sogenanntes Stoma (= künstlicher Ausgang), implantiert. Der Urin wird über die Bauchdecke aus dem Körper ausgeschieden und in speziellen Klebebeuteln über dem Stoma aufgefangen. Diese Form der Harnableitung wird für Patienten gewählt, denen aufgrund von höherem Alter und ausgeprägten Vorerkrankungen keine größere Operation zugemutet werden sollte.

Das Ileumconduit ist die am häufigsten verwendete Form der Harnableitung. Hierbei wird ein Stück des Dünndarms „zweckentfremdet“: Nach Implantation der beiden Harnleiter dient es als kleines Reservoir. Die Harnausleitung aus diesem Reservoir erfolgt über ein Stoma im Bereich der Bauchwand. Der Urin wird ebenfalls in einem Beutel aufgefangen. Diese Form der Harnableitung wird bevorzugt bei älteren Patienten mit mäßig eingeschränktem Gesundheitszustand. Da hierbei auch der Darm in die Operation einbezogen ist, besteht ein höheres Komplikationspotenzial als bei den Harnleiterhautfisteln.

Die Ileumneoblase ist eine Form der Harnableitung bei der eine neue Harnblase aus patienteneigenem Dünndarm gebildet wird. Diese Neoblase wird im kleinen Becken eingesetzt, an der Stelle, an der sich die ursprüngliche Blase befand. Der Urin wird nicht über die Bauchdecke entleert, sondern erhält einen direkten Anschluss an die Harnröhre. Ein normaler Toilettengang ist also möglich. Diese Form der Harnableitung setzt eine gute mentale und physische Verfassung des Patienten voraus, sowie die Bereitschaft, sich ein Leben lang in ärztliche Kontrolluntersuchungen zu begeben.

Bei der Bildung eines Nabelpouches wird, ähnlich wie bei der Ileumneoblase, ein größeres Urinreservoir aus Dünndarm sowie teilweise aus Dickdarm gebildet. Dieses befindet sich allerdings nicht an gleicher Stelle wie die vormalige Harnblase, sondern liegt etwas oberhalb, direkt unter der Bauchdecke. Ausgeleitet wird der Urin über einen Einmalkatheter und eine ventilartige Öffnung im Bauchnabel. Der Nabelpouch setzt voraus, dass der Patient in zeitlich vorgegebenen Intervallen selbständig den Einmalkatheter auswechseln kann. Lebenslange Nachkontrollen sind unerlässlich.

Neben den hier vorgestellten Verfahren gibt es noch eine Reihe anderer Möglichkeiten. Wir entscheiden jeweils individuell, gemeinsam mit dem Patienten, welche am sinnvollsten ist. So können wir nach der Operation die bestmögliche Versorgung sicherstellen.

In ausgewählten Situationen ist beim Blasenkarzinom auch eine Radiotherapie sinnvoll. So ist sie in der palliativen Situation hilfreich bei schmerzhaften und/oder in die Blase einblutenden Tumoren sowie bei Metastasen. Aber auch als Alternative zur Blasenresektion kann sie individuell diskutiert werden - so bei OP-Ablehnung oder bei unbefriedigenden Ergebnissen nach TUR-B beziehungsweise alternativ zur Cystektomie bei Rezidiven oder bei muskelinvasiven Tumoren. 

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