Prostatakrebs (Prostatakarzinom)

Krebs der Vorsteherdrüse – früh erkannt ist besser heilbar

Prof. Dr. med. Alexander Lampel
Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie
Facharzt für Urologie
Schwerpunkt: medikamentöse Tumortherapie, Andrologie

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Bei Prostatakrebs (Prostatakarzinom) handelt es sich um einen bösartigen Tumor der Vorsteherdrüse. Meist entsteht er in der äußeren Region und ist bei der Untersuchung mit dem Finger vom Enddarm aus zu ertasten. Als Risikofaktoren für Prostatakrebs gelten unter anderem fortgeschrittenes Alter und genetische Veranlagung. Wichtig ist die Unterscheidung eines bösartigen Tumors von einer gutartigen Vergrößerung der Prostata. Letztere verursacht ähnliche Beschwerden, etwa Probleme beim Wasserlassen, breitet sich aber im Gegensatz zum Krebs nicht über die Prostata hinaus aus. Ob es sich um eine gut- oder bösartige Veränderung handelt, kann nur der Arzt überprüfen.

Für Prostatakrebs gilt: Je früher er festgestellt wird, desto besser sind die Chancen für eine vollständige Heilung. Man sollte daher nicht abwarten bis Beschwerden auftreten, sondern regelmäßig an einer Untersuchung zur Früherkennung teilnehmen. Männer ab 45 Jahren können einmal jährlich kostenlos das gesetzliche Früherkennungsprogramm in Anspruch nehmen.

Die Früherkennung umfasst ein Gespräch mit dem Arzt, die Untersuchung der Geschlechtsorgane und der Lymphknoten in der Leiste und die Abtastung der Prostata vom Enddarm aus ab. Mit dieser sogenannten digital-rektalen Untersuchung (DRU) können jedoch nur oberflächlich gelegene und größere Karzinome gefunden werden. Das heißt, Tumoren, die ungünstig gelegen oder noch sehr klein sind, bleiben unentdeckt. Daher ist der Nutzen dieser Untersuchung begrenzt.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit anhand eines Antigens, das spezifisch für die Prostata ist, Hinweise für bösartige Veränderungen bereits in sehr frühen Stadien festzustellen. Dieses Prostata-spezifische Antigen, kurz PSA, ist ein Eiweiß, das von den Prostatazellen produziert wird und zur Verflüssigung des Samens dient. In geringen Mengen findet sich PSA auch im Blut, so dass es hier bestimmt werden kann.

Krankheitsbild

Prostatakrebs ist bei Männern die häufigste Krebserkrankung. Pro Jahr werden bundesweit etwa 58.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Mit einem Anteil von rund 10 Prozent steht das Prostatakarzinom an dritter Stelle bei den zum Tode führenden Krebserkrankungen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwas über 70 Jahren, vor dem 50. Lebensjahr ist die Erkrankung selten. In den meisten Fällen entstehen Prostatakarzinome in der äußeren Zone der Vorsteherdrüse, weit entfernt von der Harnröhre. Deshalb bleiben sie oft lange Zeit unbemerkt. Zur Einengung der Harnröhre mit Störungen beim Wasserlassen kommt es erst, wenn der Tumor bereits groß ist und sich beispielsweise in die Knochen ausgebreitet hat.

Diagnose und Therapie

Eine Gewebeentnahme (Biopsie) kann Gewissheit bringen, ob Prostatakrebs vorliegt oder nicht. Bei dieser Untersuchung werden unter Ultraschallkontrolle über den Enddarm mit einer dünnen Nadel mehrere Gewebeproben aus der Prostata entnommen. Das gewonnene Material wird anschließend unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersucht. Die Biopsie ist ein ungefährliches Untersuchungsverfahren. Eine Gefahr der Streuung von Tumorzellen besteht dabei nicht. Die Entnahme des Gewebes kann ohne Narkose in örtlicher Betäubung ambulant vorgenommen werden.

Im Rahmen der Früherkennung sollte eine Biopsie dann durchgeführt werden, wenn eines der folgenden Kriterien vorliegt:

  • PSA-Wert von 4 ng/ml und darüber
  • krebsverdächtiges Ergebnis bei der digital-rektalen Untersuchung (DRU)
  • auffälliger Anstieg des PSA-Wertes


Ist die Diagnose Prostatakrebs gesichert, kommen folgende Behandlungsmethoden in Frage:

  • Operation
  • Strahlentherapie
  • Hormontherapie
  • Chemotherapie
  • Aktive Überwachung
  • Abwarten, Therapie bei Krankheitsprogress ("wait and see")


Welche Therapie - allein oder in Kombination mit den oben genannten Behandlungsmöglichkeiten - die individuell richtige ist, hängt davon ab, ob der Tumor noch auf die Vorsteherdrüse begrenzt ist oder bereits umgebendes Gewebe befallen und Tochtergeschwülste (Metastasen) in Lymphknoten, Knochen und anderen Organsystemen gebildet hat.

 

Therapie bei lokal begrenzten, operablen Tumoren
Bei auf die Prostata beschränkten Tumoren (Frühstadium) bieten sich als Behandlungsmöglichkeiten die operative Entfernung der Prostata oder die Strahlentherapie an. Bei der Operation geht es darum, das Tumorgewebe vollständig zu entfernen und damit eine Heilung zu erreichen. Die Strahlentherapie ist eine gleichwertige Alternative zur Operation. Eine Entscheidung für das jeweilige Verfahren wird abhängig gemacht vom Alter, möglichen Nebenerkrankungen, der Narkosefähigkeit und vor allem vom individuellen Wunsch des Patienten. Wichtig ist eine ausführliche Beratung. Die Ergebnisse des Kontinenz- und Potenzerhalts sind sehr gut und abhängig davon, wie früh der Krebs gefunden wird. Untersuchungen zu Lebensqualität und therapiebegleitenden Nebenwirkungen zeigen eine Gleichwertigkeit der Verfahren, wobei sich die Nebenwirkungsspektren voneinander unterscheiden. Bei sehr kleinen Karzinomen des älteren und alten Patienten ist immer auch an die Möglichkeit eines rein abwartenden Vorgehens und PSA-Kontrollen sowie Therapie je nach Gegebenheit nur bei Symptomen ("wait and see") zu denken.

 

Therapie bei lokal fortgeschrittenen, aber bereits operierten Tumoren
Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren nach erfolgter Operation muss jeweils die Möglichkeit und Notwendigkeit einer Strahlentherapie bewertet werden.

 

Therapie bei lokal fortgeschrittenen, nicht mehr operablen Tumoren
Wird in der Diagnostik die Ausdehnung des Tumors über die Prostata-/Samenblasengrenzen hinaus beschrieben und sind eventuell auch Lymphknoten im Becken betroffen, ist eine kombinierte Therapie aus antihormoneller Behandlung und Bestrahlung notwendig. Eine Operation im Vorfeld würde das Nebenwirkungsrisiko unnötig steigern. Auch hier ist grundsätzlich das Ziel die Heilung des Patienten, wobei dieses Ziel natürlich schwieriger zu erreichen ist als bei kleinen Tumoren.

 

Therapie beim Rückfall eines operierten Prostatakarzinoms
Die Diagnose eines lokalen Rückfalles (Rezidiv) wird bei einem bisher nicht bestrahlten Prostatakarzinom gestellt, wenn der PSA-Wert im weiteren Verlauf nach Operation über 0,2 ng/ml liegt und in einem weiteren Wert mindestens in der Höhe bestätigt wird. Eine gewebliche Sicherung ist oftmals dabei noch nicht möglich. Grundsätzlich besteht auch hier das Ziel der Radiotherapie, den Patienten von seinem Tumor zu heilen. Die alleinige Hormontherapie ist dagegen mittelfristig wenig hilfreich und führt nachweislich zu deutlichen Einschränkungen der Lebensqualität.

 

Therapie beim metatasierten Prostatakarzinom
Hat sich der Tumor bereits in andere Organe  ausgebreitet, sind lokale Therapiemaßnahmen wie Operation oder Bestrahlung nicht sinnvoll. In diesem Fall werden alternative Behandlungsformen eingesetzt, die im ganzen Körper wirken (vorzugsweise Hormon- und später Chemotherapie). Strahlentherapie und Operation kommen in solchen Situationen individuell nur zum Einsatz, wenn lokale Probleme (zum Beispiel schmerzhafte Knochenmetastasen, Lymphknotenmetastasen) beseitigt werden müssen. Ziel ist es, die Tumorausbreitung aufzuhalten und die Lebensqualität des Patienten zu erhalten. Eine Heilung ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich.

 

 

Abbildung: Intensitätsmodulierte Radiotherapie beim Prostatakarzinom

 

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