Darmkrebs

Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Heilungschancen

Prof. Dr. med. Stefan Beckert, FEBS
Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Tel.: +49 7721 93-3301
Fax: +49 7721 93-93309
E-Mail: avc@sbk-vs.de

Weitere Informationen zum Darmkrebs finden Sie auch im "Blauen Ratgeber“ der Deutschen Krebshilfe
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Mit circa 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr stellt der Krebs des Dick- und Enddarmes (Kolorektales Karzinom) die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern und bei Frauen in Deutschland dar. Bösartige Tumoren im Dünndarm, welche von der Schleimhaut ausgehen, sind außerordentlich selten. Wird von „Darmkrebs“ gesprochen, ist deshalb überwiegend die Erkrankung von Dickdarm und Enddarm gemeint. Der Krebs des Afters (Analkarzinom) stellt eine gesonderte Krebsform dar und wird auch anders behandelt als Darmkrebs.

Die Entstehung von Darmkrebs kann durch eine Vorsorgeuntersuchung (Darmspiegelung) möglicherweise verhindert werden, weil Vorstufen der Erkrankung (zum Beispiel Polypen oder Adenome) entfernt werden oder eine bereits vorhandene Erkrankung frühzeitig entdeckt wird. In diesen Fällen hat eine alleinige Operation eine hohe Heilungsrate. Wird der Darmkrebs jedoch erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt, sind Heilungen nur selten möglich. Die Behandlungsmaßnahmen, die dann zum Einsatz kommen, haben das Ziel, die Erkrankung zu kontrollieren, das Leben zu verlängern und Beschwerden zu lindern. Wichtig ist, sich möglichst in einem onkologischen Zentrum behandeln zu lassen. Hier stehen alle Behandlungspartner mit der größten Erfahrung zur Verfügung.

Am Schwarzwald-Baar Klinikum ist seit 2007 ein Darmkrebszentrum (Darmzentrum Südwest) unter Leitung der chirurgischen Klinik etabliert. Im bundesweiten Vergleich zählt es, was die Anzahl der Operationen und die Behandlungsqualität betrifft, eindeutig zur Spitzengruppe.

Krankheitsbild

Unter „Darmkrebs“ versteht man bösartige Tumoren, welche in aller Regel von der innersten Gewebeschicht des Dickdarms, der Schleimhaut (Mukosa), ausgehen. Generell werden sie in gutartige und bösartige Tumore eingeteilt. Ein Tumor wächst dann „gutartig“, wenn er bei seinem Wachstum das umgebende Gewebe lediglich verdrängt, ein Tumor wächst bösartig, wenn er in das umliegende Gewebe infiltrierend hineinwächst und Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen bilden kann. Am häufigsten sind hiervon die zum jeweiligen Darmabschnitt zugehörigen Lymphknoten, die Leber und die Lunge betroffen. Die gutartigen Tumoren der Darmschleimhaut heißen Adenome/Polypen, die bösartigen Tumoren heißen Adeno-Karzinome.

Der häufigste und bekannteste Weg der Entstehung von Darmkrebs ist die „Adenom-Karzinom-Sequenz“. Hierbei entwickelt sich der bösartige Darmkrebs aus einem gutartigen Vorläuferstadium, dem Adenom.
In der Regel entstehen Tumoren durch Veränderungen der Erbsubstanz der jeweiligen Zelle. Meist sind es erworbene Genveränderungen, welche aus einer gesunden Schleimhautzelle eine Tumorzelle werden lassen – das normale Gewebewachstum wird zum Tumor. Weitere Genveränderungen führen dann zur Bösartigkeit.

Darmkrebs entwickelt sich eher langsam. Durchschnittlich dauert es etwa zehn Jahre bis sich ein Polyp in einen Krebs umgewandelt hat. Erfreulicherweise können auch schon die Vorläufer mittels Endoskopie („Darmspiegelung“) diagnostisch erfasst und dann abgetragen werden – das Entstehen von Darmkrebs wird damit verhindert („Vorsorge“). Auch wenn Darmkrebs im frühen Stadium erkannt wird, also bevor er Beschwerden bereitet („Früherkennung“), sind die Chancen auf eine Heilung wesentlich besser als wenn er erst  in einem „späten“ Stadium entdeckt und behandelt wird.

Kolorektale Karzinome treten am häufigsten in der Altersgruppe der 60- bis 80-Jährigen auf. Im Allgemeinen wird von den Krankenkassen eine Vorsorgekoloskopie ab dem 55. Lebensjahr empfohlen und bezahlt. Ist in einer Familie gehäuft Darmkrebs aufgetreten oder liegen verdächtige Beschwerden vor, kann auch bei deutlich jüngeren Menschen eine vorsorgliche Darmspiegelung angezeigt sein – Darmkrebs betrifft auch 30-, 40- und 50-jährige Menschen (Männer dieser Altersgruppe sind häufiger betroffen als Frauen).

Neben dem von Schleimhautzellen ausgehenden Krebsform gibt es – wenn auch sehr viel seltener – weitere bösartige Tumoren des Darmes mit unterschiedlichem Ursprungsgewebe, unterschiedlichem Wachstumsverhalten und unterschiedlichen Behandlungskonzepten. Hierzu gehören vor allem sie sog. „neuroendokrinen Tumoren“ und die Gruppe der „GIST“ (Gastro-Intestinalen-Stroma-Tumoren).

Diagnose

Typischerweise und tückischerweise wird der Darmkrebs vom Patienten erst dann bemerkt, wenn er in seinem Wachstum schon fortgeschritten ist. Schmerzen treten in der Regel spät auf. Das liegt daran, dass die Eingeweide über ein anderes „Schmerzsystem“ verfügen als die Körperoberfläche und der Bewegungsapparat. Was vom Darm dem Körper als „schmerzhaft“ gemeldet wird, ist die Überdehnung der Darmwand. Das klassische Alarmsymptom, bei dem jeder hellhörig sein sollte, sind Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, auch der Wechsel von Verstopfung und Durchfällen. Diese Veränderungen treten langsam auf – und leider auch so, dass die Betroffenen sie lange verdrängen und nicht wahrhaben wollen.

Das zweite klassische Alarmsymptom ist „Blut im Stuhl“ – jedes derartige Ereignis muss konsequent abgeklärt werden, vor allem darf man sich nicht vorschnell  damit zufrieden geben, das „käme von den Hämorrhoiden“. Hat sich ein Darmtumor erstmals auf diese Weise verraten, sollte man dieses Zeichen ernstnehmen und nicht darauf warten, dass er ein zweites Mal oder häufiger blutet – bis dahin kann er nämlich ungestört weiterwachsen.

Ist der Tumor größer geworden, wird er die Durchgängigkeit des Dickdarmes behindern und allmählich zum vollständigen Darmverschluss (Ileus)  führen – der Patient berichtet von Bauchschmerzen, aufgetriebenem Bauch und fehlendem Stuhlgang, reduziertem Appetit und zuletzt sogar von erbrochenem Stuhl. Das stellt eine Notsituation dar, welche rasches und zielgerichtetes operatives Vorgehen, oft auch die Anlage eines (häufig provisorischen) künstlichen Darmausgangs notwendig macht.

Ein spür- bzw. tastbarer Tumor im Bauchraum ist Zeichen eines lokal weit fortgeschrittenen Tumorwachstums, eine deutliche Verminderung des Allgemeinzustands und erheblicher Gewichtsverlust können Ausdruck einer Fernmetastasierung sein.

Die Verdachtsdiagnose Darmkrebs wird anhand von Darmspiegelungen (Koloskopie), Ultraschall (Sonographie), Röntgenbildern, Computer-Tomographien (CT), Kernspin-Tomographien (MRT) und/oder so genannten PET-Untersuchungen (Positronen-Emissions-Tomographie) gestellt. Letztlich entscheidend für die Diagnosesicherung ist eine Gewebeuntersuchung (Histologie) über eine Darmspiegelung oder eine CT-gesteuerte Gewebeprobe an einer anderen auffälligen Stelle im Körper. Darüber hinaus sind heutzutage so genannte molekulare Analysen im Tumorgewebe wichtig. Die damit gewonnenen Informationen haben Bedeutung für die Behandlungsstrategie.

Wichtigste Kriterien für die Auswahl der Therapien sind die Art des Tumors, seine Größe und Ausbreitung im Körper, der Allgemeinzustand des Patienten und die Begleiterkrankungen. Nicht entscheidend ist das numerische Alter des Patienten. Die Entscheidung über die Art der Therapie wird in einer interdisziplinären Tumorkonferenz für jeden einzelnen Patienten festgelegt.

Therapie

Ziel jeder Tumorbehandlung ist vorrangig die vollständige Heilung (Kuration). Ist keine Heilung mehr möglich, wird ein möglichst langes Überleben mit größtmöglicher Lebensqualität angestrebt (Palliation). Die Möglichkeit zur vollständigen Heilung besteht, wenn der Tumor vollständig durch eine Operation entfernt werden kann und Therapiemaßnahmen verhindern, dass sich eventuell noch im Körper vorhandene Krebszellen erneut ausbreiten (so genannte adjuvante Therapien). Bei Mastdarmkrebs kommen vor einer Operation in der Regel auch eine Strahlenbehandlung und eine Chemotherapie zum Einsatz.

Leider sind die Voraussetzungen für eine Operation mit oder ohne Strahlentherapie nicht in allen Fällen gegeben, sodass fortgeschrittener Darmkrebs in der Regel nicht geheilt werden kann. Dann kommen nicht-operative Behandlungsverfahren zur Anwendung, zumeist in Form einer medikamentösen Therapie. 

Mit der medikamentösen Therapie (Chemotherapie, zielgerichtete Medikamente wie z.B. Antikörper oder kleinmolekulare Hemmstoffe in Form von Tabletten) gelingt es heutzutage oft, das Tumorwachstum zu stoppen, den Tumor zu verkleinern, krankheitsbedingte Beschwerden zu lindern, die Bildung von Metastasen zu verhindern oder zumindest hinauszögern und die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zu erhalten.

Diese ganzheitliche Therapie ist heutzutage eine der wichtigsten Behandlungsmaßnahmen und sollte unbedingt in einem onkologischen Zentrum mit jedem Patienten und den Angehörigen individuell besprochen werden. Auch die Möglichkeit der Teilnahme an einer so genannten klinischen Studie sollte in diesem Zusammenhang geprüft werden. Sie bietet unter Umständen eine weitere Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten, wobei auch neue, noch nicht generell zugelassene Medikamente zum Einsatz kommen können. Sehr gerne stehen wir hier für Beratungen und weitere Informationen zur Verfügung. Sprechen Sie uns bitte an.

Die Heilungschancen bei Darmkrebs sind bei korrekter Behandlung in aller Regel weitaus besser als bei den anderen bösartigen Erkrankungen des Verdauungstraktes. Als Kennzahl wird bei der Krebsbehandlung die sogenannte  Fünf-Jahres-Überlebensrate angegeben; diese Zahl gibt an, wie viele Patienten aus einer Gruppe nach fünf Jahren noch leben. Diese beträgt im frühesten Stadium (UICC-Stadium I) mehr als 95 Prozent  und sinkt nur langsam von mehr als 80 Prozent (UICC-Stadium II)  auf bis 60 Prozent (UICC-Stadium III). Im metastasierten Stadium IV ist die Heilung aber eine Ausnahme. Sie kann erreicht werden, wenn durch die Kombination von Operation und Chemotherapie alle Metastasen entfernbar sind.

Kontakt

Die Behandlung der Patienten mit Darmkrebs (kolorektalem Karzinom) erfolgt am Schwarzwald-Baar Klinikum unter dem Dach des von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten „Darmzentrum Südwest“, zu dem sich die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, die Internistischen Kliniken für Gastroenterologie, Allgemeine Innere Medizin und Hämatoonkologie, die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie sowie die Institute für Radiologie und Pathologie zusammengeschlossen haben. In interdisziplinärer Zusammenarbeit besprechen wir unsere Patienten in einer wöchentlichen Tumorkonferenz (Viszeralonkologische Tumorkonferenz, mittwochs ab 15:30 Uhr) gemäß der S3-Leitlinie zum kolorektalen Karzinom und den Anforderungen der Deutschen Krebsgesellschaft auch unter Berücksichtigung allerneuester wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Schwarzwald-Baar Klinikum
Darmzentrum Südwest
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78052 Villingen-Schwenningen

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