Narbenbruch (Narbenhernie)

Eine erneute Operation ist unumgänglich

Prof. Dr. med. Stefan Beckert, FEBS
Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Facharzt für Viszeralchirurgie
Schwerpunkt Spezielle Viszeralchirurgie, Proktologie

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Narbenbrüche sind eine häufige Komplikation nach großen Bauchoperationen. Sie treten bei Männern und Frauen gleichermaßen auf. Die Vorwölbung des Darms oder anderer Bauchorgane kann zu Einschränkungen im Alltagsleben und zu Schmerzen führen. Die entstandene Lücke in der Bauchdecke muss unbedingt operativ verschlossen werden. Andernfalls kann es zu einer gefährlichen Einklemmung von Darmanteilen in der Bruchlücke kommen. Zur Stabilisierung werden spezielle Kunststoffnetze in die Bauchdecke implantiert.

Krankheitsbild

Nach Eingriffen in der Bauchhöhle, insbesondere bei größeren Schnitten durch die Bauchdecke, kommt es – je nach Größe und Art des Schnitts – in bis zu 15 Prozent der Fälle zu einem Narbenbruch (Narbenhernie). Diese Lücke in der Bauchwand tritt meist innerhalb des ersten Jahres nach der Operation auf. Durch diese Lücke können sich Organe und Gewebe des Bauchinnenraums nach außen vorwölben. Sie werden dann nur noch von Haut, Unterhautfettgewebe und Bauchfell bedeckt.

Die Patienten bemerken in der Regel eine Schwellung im Bereich der Narbe, insbesondere wenn bei körperlicher Aktivität (wie Heben oder Pressen) die Bauchdecke stark belastet wird. Oft verspüren sie auch Schmerzen im Narbenbereich.

Wird der Bruch eingeklemmt, lässt sich die Vorwölbung im Narbenbereich nicht mehr in die Bauchhöhle zurückdrücken. Die Betroffenen haben dann anhaltende Schmerzen. Die Einklemmung von Darmanteilen ist stets besorgniserregend. Sie kann zu einem Darmverschluss mit starker Übelkeit und Erbrechen führen. Aber auch die Durchblutung des betroffenen Darmteils wird möglicherweise abgeschnürt. Innerhalb weniger Stunden kann das Organ absterben – ohne Notoperation ist der Patient in Lebensgefahr.

Eine spontane Heilung der Lücke ist ausgeschlossen. Im Gegenteil: Mit der Zeit wird der entsprechende Bereich immer instabiler. Die erneute Operation stellt derzeit die einzig bekannte wirksame Therapie dar.

Abb. 1 Narbenhernie

Diagnose und Therapie

In den meisten Fällen erlauben schon die Befragung des Patienten und die Tastuntersuchung der Bauchdecke eine sichere Diagnose. Eine Bildgebung mittels Ultraschall oder Computertomografie kann aber notwendig sein, um das Ausmaß des Bauchdeckendefekts besser abschätzen zu können und den Bruchinhalt abzuklären.

Die Behandlung besteht in einer erneuten Operation. Diese sollte nach Möglichkeit erst circa sechs Monate nach der Erstoperation erfolgen. Die Narbe wird wieder eröffnet, der Bruchinhalt zurück in die Bauchhöhle verlagert und die Bauchdecke mit starken Nähten verschlossen. Da bei den meisten Betroffenen eine Bindegewebsschwäche vorliegt, ist eine alleinige Naht der Bauchwandränder nicht sinnvoll – das Risiko eines neuen Bruchs wäre zu hoch. Heutzutage wird die Implantation von speziellen Kunststoffnetzen zur Bauchdeckenverstärkung empfohlen.

In einigen Fällen kann der Narbenbruch auch ohne Schnitt, auf minimal invasivem Wege, versorgt werden, indem das künstliche Netz von innen gegen die Bauchdecke fixiert wird. Die verwendeten Netze werden unterhalb der Bauchmuskulatur eingenäht und vom Körper gut toleriert. Beschichtete Netze können auch von innerhalb der Bauchhöhle, vor der Gewebenaht, implantiert werden.

Kleine Brüche werden ambulant versorgt. Große Rekonstruktionen der Bauchdecke aber erfordern einen bis zehntägigen stationären Aufenthalt. Eine spezielle Nachsorge nach der Operation gibt es nicht. Die Patienten sollten sich in den ersten Wochen nach dem Eingriff körperlich nicht belasten.

Abb. 2 Netzverstärkung unter dem Muskel

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