Obstipation (Verstopfung)

Eine Störung, die viele Ursachen haben kann

Prof. Dr. med. Stefan Beckert, FEBS
Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Facharzt für Viszeralchirurgie
Schwerpunkt Spezielle Viszeralchirurgie, Proktologie

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Die Obstipation ist eines der häufigsten Krankheitsbilder, mit dem Patienten medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Schätzungsweise zwei Prozent der Gesamtbevölkerung sind betroffen. Das Problem nimmt im Alter deutlich zu, ab dem 60. Lebensjahr hat fast jeder Dritte damit zu tun. Vor allem Frauen klagen über Obstipation, sie sind drei Mal häufiger betroffen als Männer.

Meist versuchen die Patienten über lange Zeit, ihr Problem mit Abführmitteln in den Griff zu bekommen, bevor sie ärztliche Hilfe suchen. Abführmittel sind aber nur eine Symptombehandlung, sie beheben nicht die Ursachen und können bei chronischer Anwendung auch schaden.

Es gibt viele Ursachen für eine Obstipation, die häufigsten Gründe sind ungünstige Ernährung, Nebenwirkungen durch Medikamente, neurogene Störungen, Tumorerkrankungen, morphologische Besonderheiten und psychische Störungen. Wohl kein anderes Organ reagiert so sensibel auf seelische Dysbalancen wie der Darm. Dennoch sollten bei einer Obstipation immer erst mögliche körperliche Ursachen, insbesondere eine Tumorerkrankung, sicher ausgeschlossen werden.

Krankheitsbild

Obstipation ist ein sehr weitläufiger Begriff. Zur besseren Einschätzung werden verschiedene Kriterien abgefragt (Rom-Kriterien) und die Schwere der Erkrankung mittels Punktesystemen bestimmt. Generell muss zwischen einer verzögerten Passagezeit des Stuhls durch den Dickdarm (Transitzeit) und einer Entleerungsstörung unterschieden werden.

Die Transitzeitverlängerung kann auch bei ausreichender Ballaststoffzufuhr und Stuhlregulierung bestehen. Ihre eigentliche Ursache ist meist unklar. Betroffen sind häufig Patienten mit neurologischen Erkrankungen (zum Beispiel Morbus Parkinson), Diabetes mellitus oder Patienten nach Schlaganfällen und Rückenmarksverletzungen. Manchmal ist auch ein überlanger Dickdarm „schuld“.

Bei der Entleerungsstörung passiert der Stuhl zwar zeitgerecht den Dickdarm, wird aber am Ende nur schwer entleert. Dafür können funktionelle Störungen verantwortlich sein, zum Beispiel eine unzureichende Erschlaffung des Schließmuskels bei der Defäkation. Oder aber es liegen morphologische Veränderungen des Enddarms vor, etwa ein innerer Enddarmvorfall (Rektozele) oder eine Beckenbodensenkung. Sind diese Veränderungen die Ursache der Obstipation, spricht man vom obstruktiven Defäkationssyndrom (ODS).

Diagnose und Therapie

Nach einer ausführlichen Anamnese und der proktologischen Standarduntersuchung wird in der Regel eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie) vorgenommen. Als weitere Untersuchungen stehen die Druckmessung des Schließmuskelapparates, die funktionelle Röntgenuntersuchung der Defäkation (Defäkographie) und die Dickdarm-Transitzeitbestimmung zur Verfügung. Selten sind weitere neurologische oder feingewebliche Untersuchungen erforderlich.

Die Therapie orientiert sich an der Ursache. Zunächst wird geprüft, ob und welche äußeren Einflüsse vorliegen, also beispielsweise falsche Ernährung, Flüssigkeitsmangel, Nebenwirkungen von Medikamenten oder eine Schilddrüsenfehlfunktion. Auch eine mögliche Einengung des Darms durch einen Tumor oder eine Entzündung im Dick- und Enddarm sollten mittels Endoskopie ausgeschlossen werden.

Liegen keine derartigen Befunde vor, wird jede Obstipation zunächst konservativ therapiert. Neben einer ballaststoffreichen Ernährung werden rektale Entleerungshilfen (Klistier, CO2-Bildner) oder osmotische Laxantien empfohlen. Auch eine gezielte regelmäßige Darmspülung (Irrigation) zeigt gute Erfolge.

Patienten, die unter einer verlängerten Dickdarm-Transitzeit leiden, kann  – falls die konservativen Therapien versagen – mit einer Teilentfernung des Dickdarms geholfen werden.

Zur Therapie der Entleerungsstörung stehen verschieden operative Verfahren zur Verfügung. Diese können vom Anus her (STARR-Prozedur) oder über die Bauchhöhle minimalinvasiv (laparoskopische Resektionsrektopexie) erfolgen. Gelegentlich werden sie auch miteinander kombiniert.  Welches Verfahren gewählt wird, richtet sich nach der offensichtlichen Ursache und nach dem individuellen Zustand des Patienten (zum Beispiel Alter und Begleiterkrankungen).

Auch die sakrale Nervenstimulation – eigentlich eine Therapie bei analer Inkontinenz –scheint zur Verbesserung einer Obstipation beizutragen. Sie bleibt bisher jedoch Einzelfällen vorbehalten.


Defäkographie mit Rektozele (Ausbuchtung der Enddarmwand)

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