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25/11/2016
Chirurg steuert vier Roboterarme

Am Schwarzwald- Baar-Klinikum operieren die Chirurgen künftig mit Unterstützung eines Roboters. Der Operationsroboter Da Vinci Xi führt Bewegungen des Operateurs in Echtzeit aus, der dazu theoretisch nicht einmal in der Nähe des Patienten sein muss. Gestern stellten Geschäftsleitung und Mediziner die neue Operationsmethode vor, die es so in Baden-Württemberg bislang nur sieben Mal gibt.

Wie Professor Alexander Lampel, Chefarzt der Urologie und Kinderurologie, und Professor Norbert Runkel, Chefarzt der Allgemein- und Visceralchirurgie, erläutern, ist die Roboterunterstützung eine revolutionäre Weiterentwicklung im Bereich der minimalinvasiven Chirurgie (Laparoskopie). „Vor 25 Jahren wurde die minimalinvasive Operationsmethode eingeführt. Damals war das eine Revolution. Jetzt ist diese Art der Operation eine weitere Revolution", sagt Runkel.

Wie bisher werden bei dem zu operierenden Patienten die Operationsinstrumente über kleine Schnitte beispielsweise in den Bauchraum gebracht. „Anders als bisher betätigt der Operateur die Instrumente aber nicht direkt. Das übernimmt der Roboter", erklärt Lampel. Der Chirurg sitzt abseits des OP-Tisches an einer Konsole und steuert die Instrumente mittels Griffen und Fußpedalen. Das Operationsfeld wird ihm dabei über eine hochauflösende Kamera als dreidimensionales Bild mit Gewebe, Blut- und Nervenbahnen auf einen Monitor direkt vor ihm angezeigt.

Der Roboter ähnelt einem vierarmigen Kraken. An jedem Arm ist ein endoskopisches Instrument befestigt, an dessen Ende die winzigen Instrumente zum Greifen und Schneiden sitzen. Auch hier der Unterschied zur herkömmlichen Laparoskopie. Die Instrumente lassen sich dreidimensional in alle Richtungen bewegen.

Derzeit wird die operationsgesteuerte Chirurgie in der Urologie und hier zunächst bei Prostataoperationen angewandt, beispielsweise bei der Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs. In der Allgemein- und Visceralchirurgie wird der Operationsroboter beispielsweise bei komplexen Eingriffen in der Tumorchirurgie im Bauch- und Beckenbereich eingesetzt.

Die Demonstration im Operationssaal zeigt: Wie von Zauberhand bewegt sich das winzige Greifwerkzeug am Ende des Trokars, während ein zweites Instrument ein Stück des zu operierenden Organs, in diesem Fall einer knallroten Paprika, abschneidet.

Ein weiterer Vorteil der neuen Operationsmethode ist der Antitremoreffekt. „Das heißt, der Roboter filtert beispielsweise das natürliche Zittern aus und kann so Bewegungen noch feinmotorischer ausführen." Seit Ende Oktober ist der Roboter im Einsatz.

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